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Reisebericht Smøla 2.Teil |
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Eine Norwegen-Reise: Smøla Teil 2geschrieben Norbert Wiercimok
zum 1. Teil des Reiseberichts  
Tags darauf regnete es wieder, aber als wir vormittags mit dem Auto zum Fähranlege losfuhren, um nach Tustna überzusetzen, hatte Petrus ein Einsehen und stoppte die Wasserzufuhr. Auch die Sonne kam zwischendurch mal heraus. Rolf, Wilhelm, Monika, Martin und ich wollten Pilze suchen; am Ende hatten wir 30 kg Rotkappen, Birkenpilze, Pfifferlinge, Reizker, Graspilze und Goldröhrlinge, lecker! Bis es aber soweit war, hatten wir eine Menge Abenteuer zu bestehen. Anfangs war es sehr gemütlich, die Pilze aus dem langsam fahrenden Auto auf einem asphaltierten, öffentlichen Waldweg bequem zu suchen, anzuhalten und einzusammeln. Auch eine Erdkröte begrüßte uns auf unserer Pilzsuche.     Nachher wurden uns aber artistische Höchstleistungen abverlangt, als wir einen sehr steilen Berghang empor an einem malerischen Wasserfall äußerst unwegsames Gelände erkunden mussten. Das war der norwegische Dschungel! Die Sache hatte außerdem noch einen weiteren Haken (besser gesagt, viele Hörner): Diese Gegend war gleichzeitig eine Berghang-Waldweide für Jungbullen, schluck! Mit etwas mulmigem Gefühl schnitten wir die schönsten Pilze in diesem steilen Urwald, immer gegenwärtig die Trampelpfade und frischen Dungfladen der vermuteten Bullen um uns herum. Boah eih, das waren Adrenalin-Pilze, die wir da sammelten! Wir unterhielten uns nur sehr leise. Monika und ich hatten neben der Pilztasche sicherheitshalber immer einen langen Birkenknüppel in der Hand.   Das Terrain wurde immer steiler und unbegehbarer, je mehr wir den Berghang empor krochen. Dann ging gar nichts mehr, und wir mussten in abenteuerlicher Art und Weise einen stark strömenden und wirklich gefährlichen Wasserfall überqueren. Wir hielten uns gegenseitig an den Händen fest, und glücklicherweise ging es gut; wir kamen ohne Unfall auf die andere Seite des Wasserfalls. Drüben wieder hoch in den Wald geklettert, traf uns fast der Schlag: Uah, da stand er da, der Jungbulle, keine 20m vor uns, und starrte uns verdutzt und ungläubig an! Die langen Knüppel zur Abwehr vorbereitet, gingen wir langsam und vorsichtig zwischen dem Abgrund des Wasserfalls und dem Bullen wie die Mäuse vor der Schlange im Unterholz einfach weiter, verhielten uns leise und versuchten, das Tier nicht zu provozieren. Das Tier hatte aber anscheinend die Hosen genauso voll wie wir, musterte uns nur argwöhnisch und ließ unsere merkwürdige Karawane ungeschoren an sich vorüberziehen, uff. Wir waren aber auf der Hut, denn das war sicher nicht der einzige Wikinger-Stier hier in diesem Wald. Irgendwann gelangten wir pilzbepackt an einen Zaun, über den wir erleichtert kletterten und auch bald wieder das Auto erreichten. Kaum losgefahren, stellte sich uns ein wunderschöner, großer Fuchs in den Weg, so dass wir das Auto wieder stoppen mussten. Da es hier keine Tollwut gibt, wunderten wir uns sehr über so wenig Scheu dieses prächtigen Tieres. Die Kamera konnten wir leider erst abdrücken, als er schon fast im Wald verschwunden war.   Gleich darauf passierten 2 Hirsche unseren Weg. Dies vermittelte uns erneut den Eindruck, dass die Natur hier wirklich noch weitgehend intakt und unberührt ist. - Auf der Rückfahrt nach Smøla regnete es zwar wieder, aber das war uns völlig egal. Wir waren immer noch ganz beeindruckt von den Erlebnissen in dieser sagenhaften Wildnis. Das einzige, was uns an diesem Tag noch gefehlt hätte, wäre die Begegnung mit einem Troll gewesen. Abends war dann stundenlanges Pilzeputzen für das Abendessen am nächsten Tag angesagt, bevor wir erschöpft in die Betten fielen.   Angeln ist Sport Samstag fuhren wir wieder mit unserem Kutter hinaus. Da die 2 vergangenen Tage ziemlich windig waren, hatten wir noch eine See von ca. 1½ Meter. Aber es war eine langgezogene Dünung, so dass es sich mit dem seetüchtigen Kutter einigermaßen gut fahren ließ. Nur das Angeln hatte etwas von einem Eiertanz, aber auch das ging noch. Wir fingen als Fetzenköder für die Pilker und Beifänger Makrelen und anschließend hauptsächlich Schellfische um die 60cm, 2 schöne Dorsche mit ca. 80cm und ein paar Köhler und Lumbs. Als sich eine Regenfront mit starkem Wind darunter bedrohlich näherte, machten wir aber kehrt, versorgten unsere Fische im geschützteren Fjord und kehrten wieder ins Angelzentrum zurück.   An unserem 2. Sonntag war Kanutag! Wir wollten einfach nur das wieder zurückgekehrte schöne Wetter und die Windstille genießen. Deshalb spannten wir Rolfs Anhänger mit den 2 Kanus an unseren Wagen und los ging's nach Jøstølen, um dort eins der beiden "Schiffe" in den von vielen kleinen Inselchen durchzogenen Fjord zu setzen und einfach in die Wildnis drauflos zu paddeln.     Die Kanus waren so groß, dass eins davon für uns vier ausreichte. Angelruten kamen natürlich mit. Während der Fahrt wurde ein Wobbler auf Meerforellen geschleppt, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Während unserem Mittagspicknick auf einer malerischen, kleinen Insel blinkerte Martin dann aber doch noch einen Schellfisch und einen Dorsch. Unterdessen unternahm ich mit Christian eine "Extra"-Kanutour um unser Inselchen herum. Auf der Rückfahrt hatten wir ein besonderes Erlebnis: Zeitweise kreisten über uns in 100m Höhe 5 Steinadler, was vor der Kulisse der fernen Berge und der Fjell-Landschaft mit der blühenden Heide und den Nadelbäumen einen atemberaubenden Eindruck hinterließ. Abends wollte Christian unbedingt noch Smølas Badestrand und insbesondere auch überhaupt erst mal dessen Zugang ausfindig machen, was uns nach einigen nautischen und topografischen Schwierigkeiten dann auch mit einigen Mühen gelang.   Tags darauf starteten wir früh bei sonnigem Wetter mit 2 Inselhopper-Fährüberfahrten zu einem längeren, ganztägigen Ausflug nach Aure. Auf dem Hinweg machten wir einen Zwischenstop am Straumen des Foldfjord auf Ertvågøy und versuchten unser Glück mit schwerer Brandungsposenrute und Spinnrute. Martin fing auf Spinner aber nur einen kleineren Pollack. Wenn wir länger gefischt hätten, wären wir wohl mit fetzenbestückten Ködern erfolgreich gewesen.   Aber da wir noch weiter wollten, packten wir nach einer Weile wieder ein und machten uns auf den Weg in die Berge. Auf Aure ging es auf den Klakkan, der neben dem noch größeren Berg Storklakkan liegt. Es ist keiner der ganz hohen Berge, aber die Landschaft dort ist hinreißend schön. Nach dem ersten steileren Stück der Schotterpiste, für die wir gerne eine Erhaltungsmaut in ein Kästchen zahlten, schalteten wir sicherheitshalber den Allradantrieb unseres Autos hinzu. So kamen wir doch sicherer und angenehmer auf dem teils staubigen, rutschigen Schotterpfad voran.   Die Vegetation ist sehr abwechslungsreich und oft überraschend, wenn sich plötzlich gleich neben der Piste ein dunkelblau scheinender Bergsee mit jedoch leicht moorbraunem Wasser zeigt. Es gibt dort 1 kleinen und 2 große Bergseen. Bäche ziehen sich mitunter am Wegesrand entlang, ab und zu sieht man eine kleine, einsame Hütte. Als die Straße nach 9km plötzlich an einer Art "Aussichtsparkplatz" mitten in einem Hochtal, umrahmt von noch viel höheren, grün bewachsenen Berggipfeln, unvermittelt endete, kehrten wir wieder bis zum oberen Bergsee um.   Auf dem Rückweg dorthin mussten wir uns die Straße mit ein paar Jungstieren teilen, die zum Trinken an den See zogen. Zum Glück hatten sie Glocken um den Hals hängen, so dass sie uns beim anschließenden Picknick nicht unvorbereitet überraschen konnten. Am See hielt es Christian dann endgültig nicht mehr aus, und er sprang zum Baden in das kalte Wasser! Die Rinder waren zwar noch in Sichtweite, aber doch in relativ sicherer Entfernung, so dass wir im Ernstfall mit einem Spurt unser Auto hätten erreichen können.     Derweil versuchte sich Martin mit der Spinnrute auf Forellen, was aber keinen Biss brachte, obwohl vereinzelt Forellen an der glitzernden Wasseroberfläche sprangen. Auf der Rückreise machten wir dann noch einen kleinen Umweg und sahen in naher Entfernung zur Insel Hitra hinüber. Am Abend kamen wir müde und glücklich über den schönen Tag wieder im Camp auf Smøla an und fielen nach dem Abendessen in die Sessel vor dem Fernseher, und Monika war schon nach 10 Minuten im Reich der Träume.   Am Dienstag hatten wir bei Schmuddelwetter zum Meeresfischen mit dem Kutter keine Lust. Mehr Fisch brauchten wir außerdem nicht, für den Eigenbedarf hatten wir längst genug geangelt. So machten wir am Morgen erst mal ein paar notwendige Besorgungen und sahen uns anschließend das alte Fischerdorf Vejholmen im Norden von Smøla an. Der andauernde Regen vermieste unsere Stimmung nicht. Den Rest des Tages ließen wir zur Entspannung einfach die Seele baumeln und verbrachten den Nachmittag mit unseren Kids im gemütlichen Aufenthaltsraum.   Am Mittwoch, unserem letzten Urlaubstag, stürmte und regnete es wie wild. Aber Martin und mich hielt es nicht mehr länger im warmen Haus, wir wollten doch noch einmal raus zum Uferangeln. So fuhren wir beide alleine an den kleinen Straumen im gleichnamigen Ort Straumen auf unserer Insel. Bei ablaufendem Wasser kamen wir dort an, der Regen machte eine Pause.   Zuerst angelten wir auf der seewärts gelegenen Seite der kleinen Straßenbrücke, was aber keinen Fisch und 3 abgerissene Blinker einbrachte. Ein Wechsel auf die andere, landeinwärts gelegene Brückenseite wurde dann aber erfolgreich! Gleich hatte ich den Biss meiner ersten, ca. 40cm großen Norwegen-Meerforelle, die sich leider nach einem kräftigen Drill 3 Meter vor mir wieder an der Wasseroberfläche verabschiedete.   Danach fingen Martin und ich aber noch eine Handvoll schöner Küchendorsche. Rechtzeitig, bevor der Himmel seine Schleusen wieder öffnete, packten wir dann vor dem Mittagessen, zufrieden über unseren letzten Angeltag, unsere Sachen ein. Schon auf dem Rückweg ging ein starker Sturm los, und es pustete mächtig und schüttete wie aus Kübeln.   Kleine Regenpausen wurden abends eilig genutzt, um bereits einen Teil des Gepäcks im Auto zu verstauen. Am Donnerstag ging es schließlich früh um 5 Uhr nach herzlichem Abschied wieder auf den langen Heimweg - diesmal über die Strecke Oslo-Hirtshals. Dabei bekamen wir einmal zu spüren, dass auch eine so riesige Fähre wie die "Color Festival" in schwerer See auf und ab tanzen kann wie an den Tagen zuvor unser 10m-Kutter. - Nach einer knapp 40-stündigen Heimreise kamen wir wohlbehalten wieder in Köln an. Fazit: Eines ist sicher; von dieser erlebnisreichen Urlaubsreise werden wir sicher noch lange zu erzählen haben und uns gerne daran zurückerinnern. Bestimmt wird es nicht unsere letzte Fahrt nach Smøla gewesen sein - Norge, wir kommen irgendwann wieder! Norbert Wiercimok
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