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Die Elbe leidet Drucken E-Mail
WWF-Studie: Schäden durch Elbvertiefung stärker als erwartet. Kritik an Behörden. Bremen, 02.12.2005 - Die durch die letzte Fahrwasservertiefung 1999 verursachten Umweltschäden in der Unterelbe zwischen Hamburg und Nordsee sind größer als angenommen. Eine heute veröffentlichte WWF-Studie weist eine deutliche Verschlechterung der Wasserqualität, Sauerstoffmangel und die Verschlickung der Nebenflüsse nach. Zudem müsse im Hamburger Hafen sehr viel mehr gebaggert werden, als erwartet, um die Fahrrinne zu erhalten. „Die Belastbarkeit des Ökosystems ist überschritten. Die Elbe kann die Schäden nicht mehr ausgleichen“, so WWF-Expertin Beatrice Claus. Der WWF widerspricht damit den Wasserbehörden von Bund und Land. Diese behaupten, dass die Umweltfolgen der Elbvertiefung den ursprünglichen Prognosen entsprechen und die getroffenen Kompensationsmaßnahmen ausreichen.

Die ökologischen Folgen gehen laut der WWF-Studie jedoch deutlich über die Prognosen hinaus. Einige der negativen Auswirkungen seien überhaupt nicht erwartet worden. Die meist zu Land erfolgten Ausgleichmaßnahmen könnten die Schäden im Wasser nicht kompensieren. „Die Unterelbe stirbt durch die mehrfachen Vertiefungen einen langsamen Tod“, so die WWF-Expertin. Die schleichende Zerstörung sei Folge von Veränderungen bei den Strömungs- und Wasserstandsverhältnissen, beim Verhältnis von Ebbe zu Flut und dem Transport von Sedimenten und Schwebstoffen. Zwischen Mai und August treten für Fische tödliche Sauerstoffmängel im Süßwasserbereich der Unterelbe auf. Die Seitenräume der Elbe wie die Hahnhöfer Nebenelbe und die Lühesander Süderelbe verschlicken. Ihre Funktion als Sauerstofflieferant für den Fluss und als wertvolle Nahrungs- und Laichgebiete für Fische und für wirbellose Tiere wie Schwebegarnelen und Ruderflusskrebse drohe verloren zu gehen.

Der WWF kritisiert die Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes und das Hamburger Wasser- und Schifffahrtsamt. Sie hätten in ihren Untersuchungen die Folgen der Unterhaltsbaggerei vernachlässigt und die vorliegenden Sauerstoffdaten nicht hinreichend ausgewertet. „Die Behörden sind offenbar auf dem Umweltauge blind“, so Beatrice Claus.

Der WWF fordert, auf weitere Eingriffe zu verzichten. Auch ohne erneute Fahrwasservertiefungen könnten im Hamburger Hafen der Großteil aller Containerschiffe abgefertigt werden. Für die wenigen Schiffe mit größeren Tiefgängen reiche ein Tiefwasserhafen an der deutschen Küste aus. „Die stark belastete Natur an der Elbe darf nicht weiter zerstört werden“, so die WWF-Expertin. „Unsere Studie zeigt leider, dass wir den Umweltprognosen und deren Überprüfung durch die Behörden nicht vertrauen können.“ Die Naturschützer fordern erneut ein naturverträgliches Hafenkonzept für die Nordsee. Der ruinöse Hafenwettbewerb zerstöre die Natur und koste die Steuerzahler viele Millionen Euro. Dieser untragbare Zustand müsse endlich ein Ende haben.

Die Studie finden Sie unter www.wwf.de. Weitere Informationen bei:
Beatrice Claus, WWF-Referat Küstenschutz und Raumplanung, Tel. 0421-65846-19;
Ralph Kampwirth, WWF-Pressestelle, Tel. 069-79144-153

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